Santiago de Chile
Vamos al Pacífico
Mittwoch, 12. Oktober 2005, 06:18 - Chile
Mehrfach wurde ich nun schon gefragt, ob ich denn auch nach Valparaíso fahren würde oder dort schon war. Also bitte, fahr ich eben in das paradiesische Tal, um nun generös antworten zu können: klaro (ein Wort übrigens, das so gesprochen hier die selbige Bedeutung hat wie bei uns).


Busbahnhof in Pajaritos zu Santiago.

Am Sonntag bei bestem Wetter (Sonne, 25 Grad) und ohne 3-Wetter-Taft ging es per Bus, dem Fortbewegungsmittel Nummer 1 in Chile auch bei den ganz langen Strecken, gen Westen. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt und kostet pro Nase und Richtung rund 5 Euro – und kaum näherten wir uns dem Ziel, war es auch schon wieder trüb und frisch. Badehose und kleines Schwesterlein mussten also auf ihr Vergnügen verzichten.

Von den Hängen, über die sich Valparaíso mit seinen rund 300.000 Einwohnern erstreckt, war wegen des Hochnebels wenig zu sehen. Die steilen Hänge sind an manchen Stellen durch die "Ascensores" (schräge Aufzüge, Standseilbahnen) erschlossen. Als paradiesisch kann man diese Stadt aber nicht (mehr?) ganz bezeichnen, zu verfallen sind die Häuser, auch einst mondäne Gebäude. Hier findet man einfache, arme Verhältnisse vor. Das vorherrschende Klischee der eher proletarischen Stadt kommt nicht von Ungefähr ist und dürfte durch den großen Hafen, eine Kernfunktion der Stadt, (mit-)geprägt sein. Für mich zum ersten Mal das Kontrastprogramm zum modernen Norden Santiagos.


Trödelmarkt in Valparaíso.


Nebel ist gut gegen Sicht und Farbenfreude.


Der Charme des Alten.


Ziemlich steil.


Wackeliges Vergnügen im Microbus nach Viña.

Und nun möchte ich – so als Geograph – auch einmal den Begriff des Agglomerationsraums erwähnen. Valparaíso belagert dieses Fleckchen Erde nämlich nicht allein, sondern ist von einer ebenso großen Stadt namens Viña del Mar (Weinberg am Meer) benachbart – einfach eine Bucht weiter. In einer Viertelstunde gelangt man mit einem der unzähligen „Microbuses“ für 350 Pesos (etwa 50 Cent) von Stadt zu Stadt. Viña del Mar ist komplett anders: sauber, lebhaft, hat einen Strand, touristischen Kitsch, keinen Hafen, relativ moderne Hochhäuser und ist für hiesige Verhältnisse eher reich.


Viña del Mar: eine Burg mit Fahne und landesübliches Gewächs im Vordergrund.


Klassischer Kutschenkitsch.


Eine Bucht im Pazifik mit einem Gebäude, in dem man hervorragend essen und Tiere des Landes, der Luft und des Wassers erspähen kann.


Strand in einer Stadt - auch bei mäßigem Wetter gut bevölkert.


Nicht im Bild die Salsa-Kapelle, die auf der gut frequentierten Seebrücke für musikalische Untermalung, nicht aber für Begeisterungsstürme sorgt.

Fazit: Sehr schöne Eindrücke. Valparaíso hat einen gewissen Charme, Viña mehr Komfort. Das Wetter könnte sonntags besser sein. So sehr viel gesehen (insbesondere im Hinblick auf Kultur) haben wir nicht – nicht nur wegen der schlechten Sicht ("Isch hab nisch viel Zeit."). Nichtsdestotrotz mal etwas chilenische Normalität gesehen. Ach ja: und einen im Pazifik schwimmenden Seehund. Oder war´s eine Robbe? Und Pelikane. Aber das fällt ja vielleicht auch alles unter chilenische Normalität.



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Lustig
Freitag, 7. Oktober 2005, 01:50 - Allgemein
Die Chilenen sagen nicht etwa nur "hola", nein, sie sagen zuweilen auch "hallo" - allerdings mit höchstens gehauchtem h. Verkehrte Welt. A propos: Heute ist mir zum ersten Mal so richtig aufgefallen, dass sich die Sonne hier andersrum dreht, mal salopp gesprochen. Schon bei meiner Ankunft fragte ich mich, ob mir das auffallen würde. Aber keine Sorge: Dem gemeinen Nordhalbkugelmenschen wird dabei nicht schwindelig.

Auch sehr schön die Übersetzung von "hihi" ins Spanische: je, je. Der Kenner weiß natürlich, dass ein spanisches J als ch gesprochen wird.

Je, je!

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Von La Moneda zum Cerro Santa Lucía
Donnerstag, 6. Oktober 2005, 06:26 - Santiago
Eine Woche hat es gedauert, bis ich mal die Zeit hatte, das Quartier zu verlassen. Das war Sonntag und bisher auch der einzige Tag dieser Art. Die Arbeit, die Arbeit...

Wegen des schlechten Wetters haben mein Kollege, Sven, und icke uns entschieden, in Santiago zu bleiben und uns das Zentrum anzuschauen. Erster Stop war der Palacio de la Moneda, der Präsidentenpalast. Die gleichnamige Metro-Station beeindruckt mit riesigen Gemälden (!) an den Wänden.



Der Präsidentenpalast fungiert heute noch als solcher, wenn auch nur noch zur Arbeit und nicht mehr zum Hausen. 1973 wurde La Moneda von den Putschisten um Pinochet angegriffen, um den Präsidenten Salvador Allende und sein Regime zu stürzen. An einem Gebäude um die davor liegenden Plaza de la Constitucíon erkennt man noch einige Spuren davon. Salvador Allende kam im Verlauf dieses Putsches ums Leben. Ihm zu Gedenken steht auch eine Statue von ihm neben dem Palast.


La Moneda. In der Ecke links unten ist ansatzweise das Denkmal von Allende zu sehen.

Eine Fußgängerzone gibt es sogar auch. Wenn man bedenkt, dass die Fußgängerampeln nur einmal kurz blinken, um sofort auf rot zu switchen, wodurch man zum schleunigsten Verlassen der Fahrbahn genötigt wird, weil einem sonst ein Bus mit 80 Sachen erfasst, und daraus die Wertigkeit des Fußgängerverkehrs ableitet, ist das schon beachtlich. (Genauso beachtlich wie dieser Satz.)

Das ursprüngliche Zentrum lateinamerikanischer Städte bildet immer ein zentraler Platz, hier die Plaza de las Armas, um den die Spanier eine Kathedrale, die Post, Bibliothek und rasterförmig Quartiere angeordnet haben. Eine der nicht unbedingt zahlreichen Sehenswürdigkeiten Santiagos. Nicht zahlreich wegen der häufigen Zerstörungen durch Erdbeben. Hier zeigt sich auch, dass die Bauweise eigentlich ziemlich flach ist. Nur im Geschäftsviertel im nördlichen Bereich gibt es die zahlreichen Hochhäuser. Wenn in denen gewohnt wird, ist das für hiesige Verhältnisse gehobene Mittelklasse, also nicht mit dem Märkischen Viertel vergleichbar.



Am Rande der Fußgängerzone befindet sich der Mercado Central, die zentrale Markthalle. Hier wird en masse frischer Fisch und Meeresfrüchte aus dem etwa 2 Stunden entfernten Pazifik sowie reichlich Obst/Gemüse aus der Umgebung gehandelt. An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Santiago in einer sehr fruchtbaren Gegend mit gutem Klima gegründet wurde. Das Treiben hier ist imposant, für Menschen mit empfindlichem Geruchssinn (in Richtung Fisch) vielleicht etwas "belastend". Die Chilenos stört das aber nicht, denn hier wird zum anderen großen Teil zu Mittag gegessen. Ich aß einen Fisch namens Wanda, äh, Reineta - dies erwähne ich, um Joe neidisch zu machen. ;-)



Vor der Kunstakademie steht nicht nur ein schönes Kunstobjekt, hier trifft sich auch - wie sollte es auch anders sein - die alternative Jugend.



Mitten in der Stadt und auch noch im fußläufigen Bereich befindet ein pittoreskes Kleinod - der Cerro Santa Lucía, ein Hügel, auf dem sich ein Kastell befindet.



Alles in allem: Städtebaulich nicht herausragend, aber sehr interessant. To be continued...



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